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Lese-Tipp!

 

Die großen Streiks

Episoden aus dem Klassenkampf

Holger Marcks und Matthias Seiffert (Hg.)

Die großen Streiks umfasst eine Reihe von bedeutenden und kämpferischen Streiks des 20. Jahrhunderts, die weitgehend in Vergessenheit geraten sind. Vom einfachen Lohnkampf bis zum Generalstreik, vom Erfolg auf ganzer Linie bis zum totalen Fiasko.

Alle AutorInnen sind entweder aktive GewerkschafterInnen (SyndikalistInnen), Angehörige der libertären Bewegung oder stehen dieser nahe. Die in den jeweiligen Beiträgen gelieferte Perspektive baut somit unmittelbar auf deren praktischen und theoretischen (Erfahrungs-)Horizont auf. Weiterlesen...

 

Alles in Frage stellen?

Was da gerade über uns hereinbricht, gilt als schwerste Krise seit der Weltwirtschaftskrise in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts. Damals war der Finanzkrach 1929 erst das Vorbeben der großen Krise, in der die Arbeitslosigkeit extrem stieg und es zu großem Elend kam. Also kommen die dicken Brocken in den nächsten zwei oder drei Jahren erst noch auf uns zu. Haben die, die uns regieren und beherrschen, eigentlich noch einen Plan?
 

  • Viele hundert Milliarden Euro sollen einen Flächenbrand löschen, der an immer neuen Stellen aufflackert.
  • In den Talkshows sehen wir die fassungslosen Gesichter der "Experten", die jahrelang immer so forsch Bescheid zu wissen vorgaben.

  • Panik flackert in den Augen der Politiker, wenn sie ihre eilends zusammen gezimmerten Ermächtigungsgesetze bekanntgeben. Man meint fast ihren Angstschweiß zu riechen, während sie zusehen müssen, wie ihre scheinbar so fest gefügte Welt sich aufzulösen droht. Und es muss noch viel mehr krachen, damit diese Arschgesichter ihre Arroganz verlieren!

Aber die Krisen treffen meistens uns, dafür sorgen Unternehmer und Politiker schon! Seit Jahren wird der Druck auf Arbeitslose erhöht, die Arbeitsbedingungen massiv verschlechtert, die Leiharbeit ausgeweitet, Strom- und Gaspreise stark erhöht...

Diesmal ist nichts mehr sicher, weder Arbeitsplätze, noch Ausbildung, und schon gar nicht die Altersvorsorge. Für viele ist es undenkbar, dass das kracht, denn es würde alles in Frage stellen. Können wir uns vorstellen, uns gemeinsam gegen die Auswirkungen dieser Krise zu wehren?

Das ist keine "Finanz-" sondern eine Weltwirtschaftskrise!

Die Asien-Krise 1997 betraf nur eine Weltregion, der Absturz der New Economy nur eine Branche. Diesmal sind wir am Beginn einer Weltwirtschaftskrise. Die Arbeitslosigkeit steigt weltweit gewaltig an (allein in einer einzigen Region in China sollen bis Jahresende zweieinhalb Millionen ArbeiterInnen rausgeschmissen werden). Die Autoindustrie und ihre Zulieferer sind bereits dabei, tausende von uns auf die Straße zu setzen. Auch bei Post, Telekom, Siemens etc. stehen Kündigungswellen bevor.

Bisher trifft die Krise viel stärker diejenigen, denen es sowieso schon schlechter geht: LeiharbeiterInnen werden als erste entlassen, viele rutschen in die Überschuldung, können ihre Miete nicht mehr zahlen, haben kaum noch Geld für vernünftige Lebensmittel. Im Vergleich dazu geht es den Stammbelegschaften mit wochenlanger Kurzarbeit noch relativ gut. Aber denkt nur nicht, dass das nur LeiharbeiterInnen trifft! Wir stehen erst am Anfang der Krise.

Sie versuchen, uns (die ArbeiterInnen rund um den Globus) das Ganze bezahlen zu lassen.

Die Regierungen haben Hedgefonds und hochspekulative Papiere legalisiert, sie haben alles getan, damit "Finanzinvestoren" Betriebe und kommunale Infrastruktur aufkaufen und ausplündern konnten ("Crossborder Leasing").  Zu diesem Zweck haben sie die Zinsen so niedrig gehalten, dass ein Sparbuch weniger als die Inflationsrate abgeworfen hat; die allgemeine Pensionsversicherung wird schrittweise durch private Versicherungen ersetzt usw. Sie haben selbst genau das angerichtet, was wir jetzt ausbaden sollen!

Die Milliarden für die Banken sind eine unerhörte Frechheit! Dieses Geld schützt nur das Vermögen der Kreditgeber. Ein Kredit ist aber nichts anderes als ein Anspruch auf Gewinne aus zukünftiger Arbeit. Wir müssen also in Zukunft noch mehr an die abgeben, die eh schon im Überfluss leben.
Dass plötzlich für die geplante Mindestsicherung kein Geld mehr da ist, zeigt, in wessen Interesse die Regierung handelt. Schleichend werden die Lohnnebenkosten (Unternehmerbeiträge zu den Sozialversicherungen) gesenkt um dann zu behaupten, die Sozialversicherungen können nicht wirtschaften und am Sozialsystem müsse gespart werden.
Die Gas- und Strompreise werden weiter erhöht, obwohl Erdöl und Erdgas massiv billiger geworden sind. Das sind alles keine Naturgesetze oder Sachzwänge, sondern gezielte Politik.

Die Politiker retten das Bankensystem, damit sie weiter an der Macht bleiben und wir weiter ausplündert werden können. Und die Banken verteilen die Fördermilliarden als Boni an die Manager und als Dividendenzahlungen an die Aktienbesitzer! Jetzt schieben sie ein Konjunkturpaket nach: ein bisschen Gebäudesanierung, ein paar Millionen für die Autozulieferbetriebe. Ein Tropfen auf dem heißen Stein angesichts der Dramatik der Krise!

Was ist mit unserem "Kapitalbedarf"?

Immer mehr haben trotz Vollzeitjob kaum genug zum Leben! Heizen wird zum Luxus, für 315.000 Haushalte in Österreich unerschwinglich. Die Hauptursache für Überschuldung ist "Arbeitslosigkeit". Also die übliche Mischung aus miesen, schlecht bezahlten Jobs, Arbeitslosigkeit, Leiharbeit. Nach Jahren der Zurückhaltung und angesichts der Preissteigerungen sind ordentliche Lohnerhöhungen nötig, nicht die paar Promille, die der ÖGB ausgehandelt hat.
Wie wäre es mit 500 Euro mehr für alle und Abschaffung der Leiharbeit?!

Geld kann nicht arbeiten...

Der Dummspruch "mein Geld arbeitet für mich" ist jetzt aufgeflogen! Entweder jemand lässt andere für sich arbeiten - ein Unternehmer z.B. - oder man muss selbst für den Lebensunterhalt arbeiten. Man kann die Dinge wieder beim Namen nennen: statt vom "freien Spiel der Märkte" ist jetzt oft wieder vom Kapitalismus die Rede. Ein System, das auf Ausbeutung unserer Arbeit beruht. Durch die Krise werden die Verhältnisse klarer, aber es ist nicht ausgemacht, ob wir gerade den Anfang vom Ende des Kapitalismus erleben, oder ob sich der Kapitalismus umso strahlender und mörderischer aus dieser tiefen Krise erheben wird.

Das hängt ganz wesentlich von uns ab!

Es wird Zeit darüber nachzudenken, was wir auf den Ruinen tun, die sie uns hinterlassen werden.

Denn die tiefe Krise zeigt auch, dass uns das Kapital auch nach 30 Jahren Dauerangriff nicht besiegt hat, und dass ihnen die Optionen ausgehen. Wir, die ArbeiterInnen überall auf dem Globus sind es, die mit unseren selbstverständlichen Bedürfnissen das Kapital in die Klemme getrieben haben. Weil sie aus den Fabriken und Dienstleistungsunternehmen nicht genug Profit herausquetschen konnten, mussten sie immer riskanter auf den Finanzmärkten spekulieren.

Wir haben aber auch die Fähigkeiten, die Weltgesellschaft am Laufen zu halten! Wir tun es ja bereits, denn wir produzieren den gesellschaftlichen Reichtum. Aber können wir uns wirklich vorstellen, die Welt selbst zu regieren? Die Fragestellung scheint ungeheuerlich: ohne Regierungen und Staaten, ohne Banken und Geld - wie kann das gehen? Gibt es dann morgens frische Semmeln? Fahren die U-Bahnen?

Wer streiken kann, der kann auch die Produktion und den Betrieb aufrechterhalten. Noch viel wichtiger: der kann alles ändern und dafür sorgen, dass wir nicht mehr länger uns selbst und den Planeten mit unserer Arbeit und deren Produkten kaputtmachen! Es ist schließlich nicht nötig, dass jemand morgens um 2.37 Uhr Schichtwechsel hat! Oder dass jemand 40 Jahre lang acht Stunden am Tag in jeder Minute dieselben 73 Schrauben anzieht. Da können wir uns ganz andere Dinge vorstellen.

Und wenn das Geld in den letzten Jahren sowieso nur Spielgeld war - und diese Spielchen nun so furchtbar zusammengekracht sind - können wir uns dann nicht auch gleich eine gesellschaftliche Produktion ohne Geld vorstellen? Müssen wir uns das nicht sogar vorstellen? Anstatt in Demut abzuwarten, dass die Krise mal wieder auf unserem Rücken ausgetragen wird, sollten wir da ein Wörtchen mitreden!

Denkt mal drüber nach! Und redet mit Euren Kolleginnen und Kollegen.