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Lese-Tipp!

 

Die großen Streiks

Episoden aus dem Klassenkampf

Holger Marcks und Matthias Seiffert (Hg.)

Die großen Streiks umfasst eine Reihe von bedeutenden und kämpferischen Streiks des 20. Jahrhunderts, die weitgehend in Vergessenheit geraten sind. Vom einfachen Lohnkampf bis zum Generalstreik, vom Erfolg auf ganzer Linie bis zum totalen Fiasko.

Alle AutorInnen sind entweder aktive GewerkschafterInnen (SyndikalistInnen), Angehörige der libertären Bewegung oder stehen dieser nahe. Die in den jeweiligen Beiträgen gelieferte Perspektive baut somit unmittelbar auf deren praktischen und theoretischen (Erfahrungs-)Horizont auf. Weiterlesen...

 

Antikapitalistischer Block am 28.3.09

Die Wirtschaftskrise, an deren Beginn wir stehen, ist die schwerste Krise seit dem Crash der Weltwirtschaft in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts. Damals war der Finanzkrach 1929 erst das Vorbeben der großen Krise, mit Millionen von Arbeitslosen und massenhafter Verelendung. Kommen wie damals die dicken Brocken also erst noch in den nächsten ein, zwei Jahren auf uns zu?

Verantwortlich für die Krise sind nicht einfach irgendwelche gierigen FinanzmanagerInnen und SpekulantenInnen. Auch nicht die ArbeiterInnen in den USA, die ihre Häuser mit Krediten kaufen mussten, die sie nicht zurückzahlen konnten. Es ist die „freie Marktwirtschaft“ selbst, das kapitalistische Wirtschaftssystem, das immer wieder eine Überproduktion an Waren erzeugt, die keine Käufer mehr finden. Hinzu kommt, dass das Kapital durch die Produktion von Waren, also durch die Ausbeutung unserer Arbeit, keinen „ausreichenden“ Profit mehr erzielt und deshalb z.B. lieber in spekulative Finanzprodukte investiert hat.

Die Gegenüberstellung eines »bösen« neoliberalen Kapitalismus, auch als „Casino“-, „Turbo“-, oder Finanzkapitalismus bezeichnet, und eines »guten«, produktiven, schaffenden, gar sozial-marktwirtschaftlichen Kapitalismus, täuscht und lenkt davon ab, dass es nur einen Kapitalismus gibt. Und dieser bringt seine Krisen selbst hervor. Sie treten mehr oder weniger regelmäßig auf, wenn auch nicht weltweit überall gleichzeitig. Kapitalvernichtung an der einen Stelle eröffnet neue Möglichkeiten zur Kapitalverwertung an einer anderen Stelle.

Das mit diesen Prozessen verbundene massenhafte menschliche Leid spielt für den Kapitalismus keine Rolle, solange es nicht in Aufstand, Revolte oder Revolution übergeht. Das Kapital spricht erst von Krise, sobald seine Profite zurückgehen.
Kapital und Politik wollen nun die Lösung ihrer Krise auf unsere Kosten betreiben. Beide wollen marode Banken und Firmen retten, damit sie an der Macht bleiben und uns weiter ausbeuten können. All die hunderte von Milliarden, die sie jetzt für Rettungs- und Konjunkturprogramme ausgeben, sind kein Spielgeld. Wir und die Generationen nach uns sollen sie durch Lohnkürzungen, Arbeitszeitverlängerungen, neue Abgaben, mehr Steuern, Einsparungen und Kürzung von Sozialleistungen bezahlen.

Noch kann niemand wirklich sagen, ob wir gerade den Anfang vom Ende des Kapitalismus erleben, oder ob sich dieser auf Kosten der Ausgebeuteten dieses Planeten „gesundgeschrumpft“ und „modernisiert“ aus dieser tiefen Krise erheben wird. Viele Menschen fangen aber gerade an, die Dinge klarer zu sehen und zu verstehen, dass die „soziale Marktwirtschaft“ – also der Kapitalismus im Normalbetrieb – auch jenseits seiner Krisen genug gesellschaftliches Elend rund um den Globus hervorbringen: stumpfsinnige Lohnarbeit, Erwerbslosigkeit, psychische Erkrankungen, Krieg, Umweltzerstörung, Hunger und Tod.

Nicht dem Parlament vertrauen, auf widerstand von Unten bauen!
 

Wir können auch anders!

Was auch immer jetzt passieren wird, die Dinge hängen ganz wesentlich von uns ab! Wir können weitermachen wie bisher und weiter als Teil einer Maschine funktionieren, die den Planeten zerstört und massenhaftes Elend hervorbringt. Wir könnten aber auch anders. Wir sind es, die allen gesellschaftlichen Reichtum produzieren und durch diese Macht können wir auch dafür sorgen, dass es statt ewiger Krisen ein gutes Leben für alle auf dem Planeten gibt. Eine Gesellschaft ohne Knechte und deshalb auch ohne Herren. Eine Welt ohne geist- und gesundheitstötende Lohnsklaverei. Eine Welt, in der die Produktionsmittel, die noch benötigt werden, allen gehören. Eine Welt ohne Lohnarbeit, Geld und ohne Grenzen.

Eine solche, von den Zwängen von Kapital und Herrschaft befreite Gesellschaft, in der es Wohlstand für alle gibt – nennen wir sie einmal antiautoritärer oder libertärer Kommunismus – werden wir aber nicht geschenkt bekommen. Wir werden sie uns Stück für Stück von denen erobern müssen, die ein Interesse daran haben, dass die gegenwärtige Klassengesellschaft auf Basis von Profit, Konkurrenz, Ausbeutung und Unterdrückung weiter besteht und verwaltet wird.

Wir müssen selbst handeln!

Wenn wir nicht einfach nur weiter Opfer der kapitalistischen Versuche, die Krise irgendwie abzumildern sein wollen, müssen wir damit beginnen, uns selbst zu organisieren. Sonst dulden wir, dass andere über unser Leben bestimmen und es gegen uns organisieren.

Wir brauchen ArbeiterInnen-Syndikate bzw. kämpferische, nicht sozialpartnerschaftliche Basisgewerkschaften in den Betrieben, um uns vor den Zumutungen der täglichen Ausbeutung zu schützen, und als Schule und Hebel, um die Maschine anzuhalten. Wir brauchen Komitees und Versammlungen in den Stadtteilen und Jugendzentren, um uns besser vor den zu erwartenden Entmietungen, Strom- und Gasabschaltungen schützen zu können. Wir brauchen selbstverwaltete Strukturen und Räte in allen Bereichen der Gesellschaft, um den Einfluss von Politik und Bürokratie Stück für Stück zurückzudrängen.

Das ist ein Anfang, um der Krisenbewältigung auf unserem Rücken einen Strich durch die Rechnung machen. Letztlich aber brauchen wir eine soziale Revolution und eine konkrete Perspektive, die sie mit unseren täglichen Kämpfen verknüpft. Auf dem Weg dorthin sollten wir schon einmal versuchen, einige Selbstverständlichkeiten durchzusetzen:

• Patriarchale Strukturen und Nationalismus müssen bekämpft werden: auf der Straße, im Betrieb, in den Schulen und in unseren Köpfen!

• Keine Rettungspakete für kapitalistische Unternehmen, keine nationalistischen Krisenlösungsmodelle!

• Weg mit Repression und Schikanen auf den Arbeitsämtern!

• Freier Zugang zur Bildung für alle!

• Umverteilung existierender Lohnarbeit durch Senkung der Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich!

• Leiharbeit abschaffen!

 

das flugblatt als PDF gibts hier:

 syndikate.at/sites/default/files/flugblatt280309.pdf